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Titer erlauben Abschätzung der Krankheitsaktivität und des Therapieerfolgs

Anti-PLA2R-Autoantikörper können außerdem wichtige Informationen zur klinischen Aktivität dieser Nierenerkrankung liefern. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass der Verlauf der Krankheit und auch der Erfolg einer Therapie in Patienten mit primärer MN durch eine Überwachung des Anti-PLA2R Antikörpertiters beurteilt werden können.

Hofstra konnte zusammen mit ihren Kollegen eine zwar schwache aber signifikante Korrelation zwischen dem Antikörpertiter und dem klinischen Zustand eines primären MN Patienten, der anhand der Proteinurie bestimmt wurde, demonstrieren. In Patienten mit einem akuten nephrotischen Syndrom (hohe Proteinurie) fanden sie hohe Anti-PLA2R Titer, im Fall einer spontanen oder durch Behandlung erzielten Remission (niedrige Proteinurie) sanken die Titer hingegen bis unter die Nachweisgrenze. Ein erneuter Ausbruch der primären MN ging mit einem Anstieg des Antikörperlevels einher. Basierend auf der Beobachtung, dass eine spontane Remission deutlich seltener in Patienten mit anfänglich hohen Antikörpertitern eintrat als in Patienten mit niedrigen Titern, folgerten die Autoren, dass das Antikörperlevel auch die Schwere der primären MN widerspiegelt.1,2

Abgeänderte Abbildung aus: Hofstra et al., CJASN 6, 1-5 (2011)
Modified from: Beck et al., Kidney Int 77, 765-770 (2010)

Doch trotz des offensichtlichen Zusammenhangs sollte der Anti-PLA2R Titer als immunologischer Marker differenziert von der Proteinurie betrachtet werden, die als klinischer Marker fungiert.  Aufgrund der Chronologie der Ereignisse in der bislang beschriebenen Pathogenese der primären MN, ist anzunehmen, dass die Marker im Krankheitsverlauf zwar ähnlich aber zeitlich versetzt reagieren.3

Abgeänderte Abbildung aus: Beck et al., Kidney Int 77, 765-770 (2010)
Abgeänderte Abbildung aus: Beck et al., Kidney Int 77, 765-770 (2010)

Tatsächlich konnten Beck et al. zeigen, dass die Titer der Anti-PLA2R-Autoantikörper in Patienten, die auf eine immunsuppressive Therapie ansprachen Monate vor der Reduktion der Proteinurie absanken.4 Zu dem gleichen Ergebnis kam auch eine weitere Studie, die zeigen konnte, dass die unmittelbare immunologische Antwort auf eine Therapie deutlich stärker ausfällt als die klinische Reaktion. Hoxha et al. fanden in den untersuchten Patienten eine Reduktion des Anti-PLA2R Titers um 81 % innerhalb von 3 Monaten immunsuppressiver Therapie. Die Proteinurie sank zeitgleich um etwa 39 %.5


Das Monitoring des Antikörper Titers kann damit entscheidende Informationen über das Stadium der primären MN und das Ansprechen des Patienten auf die Therapie liefern. Dabei reagiert der Titer deutlich sensibler auf Veränderungen des Krankheitsstadiums als die Proteinurie.


Über eine statistische Analyse haben Hoxha et al. zusätzlich den prädiktiven Wert der Anti-PLA2R beurteilt. Ein hoher Titer erwies sich als unabhängiger Risikofaktor für einen MN Patienten, keine Remission der Proteinurie zu erreichen.5 Basierend auf dieser Einschätzung könnte der Antikörpertiter einen wichtigen Einfluss auf die Entscheidung des Arztes zur Notwendigkeit und Intensität einer immunsuppressiven Therapie nehmen.

Seitz-Polski et al. beabsichtigten in einem anderen Studienansatz, den prädiktiven Wert der Anti-PLA2R zu bestimmen, indem sie einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Antikörpertiter und dem Risiko eines erneuten Ausbruchs der primären MN nach einer Nierentransplantation untersuchten. Einen Zusammenhang zwischen dem Rekurrenz-Risiko und dem Titer vor der Transplantation konnten sie nicht beobachten. Ein anhaltend hoher Anti-PLA2R Titer bis zu sechs Monate nach der Organtransplantation korrelierte jedoch signifikant mit dem Risiko eines erneuten Krankheitsausbruchs.6  Dieses Ergebnis stimmt mit einem früheren klinischen Bericht über eine Patientin überein, die nach einer Nierentransplantation abermals an primärer MN erkrankte. Ärzte entdeckten bei ihr sowohl vor als auch drei Monate nach dem Eingriff Antikörper gegen PLA2R. Eine immunsuppressive Therapie mit Rituximab führte schließlich zur Reduktion des Antikörpertiters auf ein Zehntel des ursprünglichen Wertes und, mit einer Zeitverzögerung,  zu einem Rückgang der Proteinurie.7 Nichtdestotrotz sind weitere Studien notwendig um die Einsetzbarkeit des Anti-PLA2R-Autoantikörpers als prädiktiven Marker zur Risikoabschätzung einer Rekurrenz der primären MN zu bestätigen.

Abgeänderte Abbildung aus: Stahl et al., N Engl J Med (2010)
Abgeänderte Abbildung aus: Beck et al., Kidney Int 77, 765-770 (2010)

In jedem Fall wird es empfohlen, den Anti-PLA2R Titer parallel zum klinischen Indikator  während der medizinischen Behandlung eines Patienten mit primärer MN zu überwachen.8 Zusätzlich zur Bedeutung der Antikörper für die Diagnose der Nierenerkrankung, kann der Titer weitere wichtige Informationen zum Krankheitsstadium und dem unmittelbaren Erfolg einer Therapie liefern. Neuere Erkenntnisse deuten zudem darauf hin, dass sich der  Anti-PLA2R Titer auch als prädiktiver Marker zu Vorhersagen zum Ausgang der MN, zu notwendigen therapeutischen Maßnahmen und zum Risiko eines erneuten Ausbruchs der Krankheit nach einer Nierentransplantation eignet.